Heute ging meine Exkursion in die Stadtteile „Salt River“ und „Woodstock“. Beide liegen nicht weit von der Uni weg und sind aufstrebende Stadteile, in denen viel passiert. Es gibt eine sehr aktive Kulturszene, die u.a. für ihre verschiedenen Street Art Motive bekannt ist. In „Salt River“ finden regelmäßig Street Art Festivals statt – es sei denn, es ist Corona 😖. Einige der vergänglichen Kunstwerke werden sogar so berühmt, dass die Künstler später eine Galerie eröffnen und ihre Kunstwerke zu Geld machen können. So nutzen sie die Festivals auch als Sprungbrett in ein besseres Leben. Ich erfahre, dass die Street Art erstmals von Shop-Besitzern genutzt wurde, um ihre Waren zu bewerben. Sie malten sie einfach an die Fassade. Eine andere ziemlich lange Wand ist dem traditionellen Carneval von Bo-Kaap gewidmet. Mehrere Künstler nutzen das Thema mit sehr unterschiedlichen Techniken. Ich erfahre, dass dieser Carneval immer am 02.01. stattfindet (dieses Jahr zum ersten Mal nicht!). Seine Ursprünge hat er in der Sklavenzeit. Die Herren gaben ihren Sklaven einen Tag im Jahr frei- die Sklaven maskierten sich und zogen durch die Straßen, machten sehr laute Musik und sangen Lieder mit Texten, die die Herren nicht verstanden. Und deshalb hört sich die Musik toll an, die Texte aber verspotten diese Herren.
In „Woodstock“ besuchen wir nach der kleinen Straßenrunde neben einem Kunst-Kaufhaus auch ein Kulturprojekthaus für verschiedene Künstler. Sie haben dort ihre Ateliers und Studios, um ihre Kunst zu machen. Alles sehr beeindruckend und interessant.
Ich habe lange überlegt, ob ich euch ein paar Eindrücke meiner gestrigen Tour in ein Township geben soll. Nun ja, ich mach’s mal: Vorweg, sie war völlig anders als erwartet! Wir fuhren nach Langa, das ist das älteste Township von Kapstadt. Was mir gezeigt wurde, waren keine Wellblechhütten und bettelnde dreckige Kinder! Wir fuhren in ein „Vorzeige“-Sozialprojekt. Geleitet wird das von Tony, einem ehemaligen Team-Mitglied von Jamie Oliver. Der Koch aus England- den kennt sicher der eine oder andere von euch, oder? J.O. arrangiert sich hier in Südafrika für soziale Projekte und deshalb kam Tony hierher. Er baut hier eine Zukunft für die Leute auf. Er stellt Kleinkriminelle, Schulabbrecher und andere Rumtreiber ein, gibt ihnen einen Job oder eine Ausbildung. Das Projekt betreibt eine Kaffee-Shop, einen Diner, eine Schule für die Kids, eine Ausbildungsstätte für Tischler und Handwerker sowie Kunstateliers. Sie züchten auf dem Gelände Pflanzen, u.a. auch Chilli, die sie dann auf dem Markt verkaufen. Ich bin mir die ganze Zeit nicht sicher, ob das hier eine Touri-Falle sein soll. Aber dann erklärt mir unser Guide, dass die Bewohner der Townships nicht mehr -wie im Zoo – besucht und fotografiert werden wollen, sondern versuchen, selbst klar zu kommen und was aus ihrem Leben zu machen. Und ich komme mir total schäbig vor, weil ich auch den Zoo erwartet habe. Wir laufen etwas durch das Viertel und ich staune, dass das alles nichts mit meiner Vorstellung eines Township zu tun hat. Es ist wirklich ganz anders hier! Nicht dass es die Wellblechhütten nicht mehr gibt, das wäre falsch. Es gibt genug davon, aber sich das Elend der anderen anzuschauen und dann wieder ins eigene Hotel zurückzukehren – das ist wohl nicht mehr angesagt! Das muss ich erstmal sacken lassen und meine Einstellung korrigieren!





























